7 Thesen zur Befreiung der Arbeit

Unser neues Diskursformat “Zukunft jetzt” feierte Ende Februar in Wien und Linz Premiere. Wir haben den Philosophen Philip Kovce und den Künstler Niki Passath eingeladen und mit den beiden ein Zukunftszenario der Arbeitswelt entworfen. Als Einblick in den Abend veröffentlichen wir 7 Thesen aus Philips neuem Buch zum Grundeinkommen sowie Bilder und Videos der künstlerischen Arbeiten von Niki und einen Text von ihm.

 

7 Thesen zur Befreiung der Arbeit

Von
Daniel Häni & Philip Kovce

1

Ich arbeite, also bin ich. – Arbeit ist anstrengend. Aber das heißt nicht, dass wir nicht arbeiten wollen. Arbeiten ist menschlich.

2

Neue Tugenden – Ohne Fleiß kein Preis. Das war einmal zeitgemäß, als es darum ging, fleißig und gehorsam zu sein. Diese Zeiten sind vorbei: Fleißig sind heute Maschinen, die uns gehorchen. Anstelle von Fleiß und Gehorsam sind Kreativität und Selbstbestimmung gefragt.

3

Recht auf Arbeit – Gäbe es ein Recht auf Arbeit, könnte dies nur ein Recht auf Einkommen sein. Ohne das Recht auf Einkommen bedeutet das Recht auf Arbeit Arbeitspflicht.

4

Die Geschichte der Arbeitsteilung – Der größte Schritt in der Geschichte der Arbeit ist die Arbeitsteilung. Vor der Arbeitsteilung habe ich alles getan – für mich. Arbeitsteilig tue ich alles, was ich tue, für andere – und andere tun es für mich. Arbeitsteilung  individualisiert und globalisiert. Arbeitsteilung ist Bewusstseinserweiterung.

5

Sozial ist, wer Arbeit abschafft. – Wer den Müll auf die Straße wirft, um Arbeitsplätze zu sichern, der ist nicht sozial. Arbeitsplätze zu sichern, ist asozial. Arbeit muss nicht gesichert, sondern erledigt werden.

6

Work-Life-Schizophrenie – Wer Arbeit und Leben ausbalancieren, also nicht zu viel arbeiten und nicht zu wenig leben will, der bemüht sich um eine gesunde Work-Life-Balance. Das ist krank. Wir können nicht arbeiten, ohne zu leben. Arbeitszeit ist Lebenszeit.

7

Wer nicht arbeiten will, tut das Falsche. – Wer etwas tun soll, was er nicht will, der verliert die Lust und wird faul. Faulheit ist keine anthropologische Konstante, sondern eine gesunde Reaktion des Sinn-Immunsystems auf unsinnige, unwürdige oder überflüssige Tätigkeiten. Wer tun kann, was er will, der wird nicht faul, sondern tätig.

 

Dieser Beitrag basiert auf einem Auszug aus dem Buch von Daniel Häni und Philip Kovce: „Was würdest du arbeiten, wenn für dein Einkommen gesorgt wäre? Manifest zum
Grundeinkommen
“ (Ecowin Verlag, Salzburg 2017).

Daniel Häni ist Unternehmer, Mitbegründer des Basler Kultur- und Kaffeehauses unternehmen mitte sowie Mitinitiator der Schweizer Volksinitiative Für ein bedingungsloses Grundeinkommen, über die 2016 abgestimmt wurde.

Philip Kovce ist Ökonom und Philosoph, forscht am Basler Philosophicum sowie an der Wittener Seniorprofessur für Wirtschaft und Philosophie und gehört dem  Forschungsnetzwerk Neopolis sowie dem Think Tank 30 des Club of Rome an.

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